BioFach Nürnberg 12.02.-15.02.2014

4 Tage persönliche und fachliche Begegnungen, vielseitige Eindrücke und wichtige Informationen, aber auch Bedenkliches gibt dieser Jahresanlass mit über 40.000 BesucherInnen: Wohin geht die Bio-Branche, wie gelingt der Generationswechsel (von Feld über Fabrik bis Zertifizierung), ist Bio mit fast 8 Milliarden Euro Umsatz (und überdurchschnittlich hohen Anteilen bei einzelnen Produkten (Eier, Rüebli,...) in Deutschland Mainstream oder doch "nur" ein abgegrenzter Markt, der weder den nachhaltigen Wandel und schon gar nicht die Welternährung leisten kann?

Ist die Branche kreativ und stark genug, kooperative Lösungen z.B. angesichts fehlender Betriebs- und Flächen-Umstellungen in Deutschland zu bieten? Welche Qualitäten braucht der Bio Markt? Welche Rolle spielen Verordnungen und Sicherungskonzepte dabei?

Vorträge einzelner Fachpersonen füllten die allgemeine Stimmung der Branche mit detaillierten Inhalten und Meinungen. Der gezielte Besuch ausgewählter Stände bekannter und neuer AusstellerInnen ermöglicht deren Produktentwicklungen und Potentiale zu diskutieren. Die zunehmende Anzahl an Empfängen und Partys einzelner AusstellerInnen (auch ausserhalb des Messegeländes) lassen in lockerer Athmosphäre weitere Kontakte knüpfen. Eine rechtzeitige Anmeldung (Dezember!) zu diesen Anlässen ist zu empfehlen.

Unter dem Thema "Organic 3.0" wurden verschiedene Tendenzen, Sorgen und Lösungsideen kontrovers diskutiert. Grundlage dafür stellt die gleichnamige Studie dar, die auf deutsch und englisch auf der website der BioFach (runterscrollen) veröffentlich ist.

Aus der Vielzahl der Berichterstattungen einige zur Auswahl:  

Die Artikel des BioMarktInfo-Teams geben die Stimmung zu Beginn und am Ende der Messe wieder sowie eine Übersicht zu einigen Marktentwicklungen und Neuheiten.

Dr. Helga Willer vom FiBL präsentierte die aktuellen Zahlen zum europäischen bzw. weltweiten BioMarkt (die auch als Buch bzw. online erhältlich sind).

Auch der Demeter Verband stellt in seinem 90. Jubiläumsjahr verschiedene Neuheiten vor: nicht nur Babygläschen mit Fleisch von Zweinutzungshühnern, sondern auch Saft im "innovativen" Soft-Beutel (mit Demeter Logo).

Birgit Will von oneco thematisiert Lösungsansätze zur Gestaltung des Biomarktes in Deutschland.

Die Chefredakteurin Johanna Stögmüller von Biorama, dem tollen Netzwerk nachhaltiger Informationen vornehmlich aus Österreich, beschreibt aus ihrer Sicht ausgewählte Neuheiten. Einige der dargestellten Produkte wurden dann auch als Produkt der BioFach 2014 prämiert! Die Fotos geben Highlights der Messe schön wieder.

Ein engagierter Artikel von Annette Sabersky (www.Bio-Food-Tester.de) setzt sich kritisch mit dem Vegan-Hype auf der BioFach auseinander. Das Gros der in Nürnberg degustierten Vegan-Artikel, allen voran eine irritierende Vielzahl von Käse-Imitaten und Convenience, lässt Wünsche bzgl. Geschmack und Kreativität sowie Gesundheitsaspekten (Fett- und Zuckergehalte (!) offen.

Der auf Basis der Gleichwertigkeit von EU- und US-Bio-Verordnung vereinfachte Import dürfte zu einem Zuwachs veganer Artikel aus den USA in die EU führen: dies sollte auch vor dem Hintergrund der in den USA eingesetzten Zusatzstoffen kritisch beobachtet werden.

Kaum verwunderlich, dass dann nur wenige Tage nach der BioFach auch der AID-Newsletter sich des Themas annimmt und kritisch beäugt, dass es erstaunlicherweise die Bio Branche ist, die sich selbst in die Ecke der kritisierten, weil verbrauchertäuschenden Analogprodukte bewegt. Im Fall der bio-zertifizierten veganen Superschmelzkäse und den dort eingesetzten konventionellen, aber veganen* natürlichen Aromen wird deutlich, dass die Bio Branche mit dem Vegan-Boom sich freiwillig auch auf (altbekanntes) Glatteis begibt.

*werden konventionelle Aromen in Bio Produkten eingesetzt, wird überlicherweise gewünscht, dass die sogenannten natürlichen Aromen dann zumindest aus den namensgebenden Rohstoffen hergestellt werden. Im Falle veganer Aromen kann dies logischerweise nicht umgesetzt werden, da Rohstoffe wie Milch, Käse ungeeignet sind.