Änderungen EU Bio Verordnung

Die Pläne einer erneuten Änderung der EU Bio Verordnung hält die Branche auf Trab. Der Bericht von Martin Häusling Ende April 2015 gibt einen umfassenden Überblick.

Der Werdegang der Diskussionen GEGEN die Anpassungen ab Februar 2014 in Kürze: der Europa-Grüne Martin Häusling kritisiert anschaulich.

Der deutsche Branchenverband BÖLW (Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft) stellt im März 2014 seine Forderungen. Im April verdeutlicht die IFOAM engagiert, dass die z.B. geplante Änderung der Importregelung (nur noch konforme, keine äquivalente Importe mehr möglich) die Qualität und Verfügbarkeit negativ verändern wird. Sorge bereitet zunehmend auch die geplante Einführung eines "organic MRL", der auf Babyfood-Niveau Grenzwerte für Bio Produkte festlegen würde, die auch bei nachweislich ubiquitären Belastungen zur Aberkennung bio-erzeugter Chargen führen würde. Beispielhaft zeigt dieses Thema auch die Dominanz mancher Einrichtungen auf, die entgegen der gesetzlichen Grundlagen einen quasi "0" Level bei Bio Produkten als bereits heute gegeben darstellen.

Der für seine jährlich, jeweils am letzten Donnerstag im November in Frankfurt durchgeführten "Bio-Recht"-Seminare bekannte Anwalt, Hanspeter Schmidt informiert auf seiner website fortlaufend über geplante und alte Bestimmungen (im Original!). Zudem hat er Mitte April 2014 aufgerufen, zu den geplanten Änderungen "Nein" zu sagen und dies auch in den Fachkreisen und Verbänden zum Ausdruck zu bringen (s.u.). Im Sommer 2014 bringt die versammelte deutsche Biobranche und nach und nach auch verschiedene Behörden ihre Kritik an der geplanten Revision zum Ausdruck. Am 16.10.14 stimmt der Bundestag geschlossen und einhellig wie selten gegen die Totalrevision. Der BÖLW gibt eine Übersicht. Am 16.12.14 wird der Entwurf auch in Brüssel zurückgewiesen. Nun steht die Aufgabe an, innerhalb der nächsten 6 Monate einzelne Änderungen der bestehenden Verordnung auszuarbeiten, um einen neuen Entwurf zu vermeiden. Eine Chance, kritische Punkte der Verordnung (Kontrollen, Importe, Rückstandslevel, technische Details) sinnvoll zu überarbeiten?

Fortlaufend bearbeitet die EGTOP, eine externe Fachgruppe für den Biolandbau in Brüssel, Fragen der Bio Branche, die dann auch in die weitere Gestaltung der Verordnung einfliesst (z.B. Fragen der Zusatzstoffe, Technologien).

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Betrugsfälle Bio Branche

Immer wieder machen Meldungen zu vermuteten oder bestätigten Betrugsfällen die Runde. Hier der Beginn einer unvollständigen Liste 2014 veröffentlichter Informationen:

Konventionelle Importwaren via Italien, Zusammenfassung vom 05.03.2014

Bio Wein mit Wasser verlängert ? Italien-Deutschland Januar/Februar 2014


Diverse Medien nehmen sich dem Thema Bio-Betrug immer wieder gerne an. Wieweit diese Meldungen dann mit Tatsachen gefüllt werden, bleibt manchmal ein Rätsel. Kai Kreuzer vom BioMarktInfo-Team kommentiert die reisserische Titelstory des Spiegel vom 03.11.14 u.a. mit "Dann haut man schon gerne alles, was Bio heißt, in den gleichen Sack."

Evaluation der EU Bio Verordnung

Im Auftrag der EU-Kommission hat das Braunschweiger Thünen-Institut die EG-Rechtsvorschriften zum ökologischen Landbau evaluiert und zeigt Stärken und Schwächen auf.

Interessante Hinweise auf die Umsetzung der Bio Verordnung in einzelnen Ländern geben die Berichte der Audits, die 2012/2013 im Auftrag der EU Kommission durchgeführt wurden: Polen, Italien, Rumänien, Deutschland, Schweiz, Indien, Portugal, Tunesien, Israel, Großbritannien, Griechenland, Frankreich, Spanien. 2014 sollen sieben weitere folgen.

Import Bio Produkte in die EU

Das deutsche Ministerium (BMEL) informiert über die neuesten Durchführungsbestimmungen für Drittlandimporte der EU-Bio-VO. Dort findet sich auch eine Liste mit den Zertifizierungsstellen und den jeweiligen Ländern / Kategorien, für die sie zugelassen sind. Aber Achtung: durch fortlaufende Ergänzungen der zugelassenen Kontrollstellen im Drittland ist wichtig auf die Vollständigkeit zu achten. Eine konsolidierte Fassung erstellen die Kontrollstellen meist selbst und vor der Behörde. Die Liste der in der EU zugelassenen Stellen findet sich aktuell auf www.oekolandbau.de. Wer die Zertifikate einer bestimmten Zertifizierungsstelle einsehen möchte, wird am ehesten fündig über den Auszug (zusammengestellt von der europäischen Vereinigung der Bio Zertifizierer EOCC). Weitere Zertifikate mehrerer Zertifizierungsstellen finden sich auf der website der KdK und der bio.inspecta. Ansonsten sind diese Informationen evt. auf den websites einzelner Zertifizierer zu finden. 

Import Bio Produkte in die Schweiz

Auch die Schweiz hat entsprechende Importregelungen. Die jeweils gültige Drittlandsliste und andere Dokumente finden sich auf deren website. Im Gegensatz zur EU bearbeitet das BLW noch bis Ende 2014 Anträge auf Einfuhrermächtigungen (= Vermarktungsgenehmigungen für Importe aus Drittländern, die (noch) nicht auf der Schweizer Liste aufgeführt werden), so dass auch Umstellungsware derzeit noch eine Möglichkeit hat, in die Schweiz importiert zu werden.

Seit Sommer 2014 müssen - wie bereits seit langem ihre EU-KollegInnen - auch Schweizer Unternehmen ihre Importe aus NICHT-EU-Ländern fortlaufend ihrer Kontrollstelle zur Freigabe melden.

Informationen Biolandbau

Eine von der Triodos-Bank mitfinanzierte, englische Vergleichsstudie "PRO BIO" begeistert im Sommer 2014 zumindest die internationale Bio Branche: Bio sei doch besser als konventionelle Vergleichsprodukte: Antioxidantien (bis zu 60% mehr), toxische Schwermetalle (bis zu 50% niedriger), Wahrscheinlichkeit von Pestizidrückständen (bis zu 4 x geringer). Folgestudien (tierische Artikel sowie Ess-Studien) sollen ergänzend zeigen, dass Bio besser ist als "gefühlt gutes Essen". Der Veröffentlichung wird ihr engagiertes Bemühen um Transparenz zugute gehalten. Ihre komplexen Berechnungen liessen sich auf einfache Botschaft verkürzen: "aufgrund größerer Mengen an Antioxidantien spare der Konsum von Bio Produkten eine Portion Obst oder Gemüse pro Tag."

 

Eine Studie der Müncher Hochschule hat zuvor bereits die Vorteile des Biolandbau bzgl. Förderung der Artenvielfalt bestätigt. Allerdings gibt es auch hier noch viel zu tun: die Gestaltung naturnaher Lebensräume und die Bedingungen für seltene oder gefährdete Arten gilt es auch auf Bio Betrieben zu verbessern.

Regelwerke Biolandbau

Das FiBL erstellt jährlich eine Zusammenschau der aktuellen Regelwerke. Sie ist online und als CD erhältlich (dreisprachig DE, FR, IT). Schwerpunkt der Informationen sind Schweizer Richtlinien, am Ende der Liste ergänzt um internationale. Die IFOAM hat eine Gruppe international anerkannter Standards entwickelt. Wichtig sind die Auslegungen in den verschiedenen Ländern. Einen Einblick gibt die deutsche LÖK.

Risikothemen Bio Branche

Der Spiegel veröffentliche im Herbst 2014 eine aufreißerische Titelstory zum angeblichen Bio-Betrug, was Urs Niggli vom FiBL entsprechend kommentierte. Ein als Bio-Bashing bezeichneter Film machte im Sommer in Deutschland die Runde und im Herbst 2014 dann auch in der Schweiz. Die Bio-Illusion – Massenware mit Öko-Siegel 

Bio boomt, Bioprodukte finden reissenden Absatz, Jahr für Jahr steigen in ganz Europa die Umsatzzahlen. Doch aus den Bioidealen einer schonenden Landwirtschaft ist längst eine globale Massenproduktion geworden. Geht das Bioversprechen wirklich auf? Was ist der Preis des Biobooms? (52 Minuten)

Nachdem Demeter Deutschland Anfang 2014 bekannt gab, keine CMS-Freiheit garantieren zu können (und einen Orientierungswert einführte), bezog im September 2014 die Bio Suisse dazu Stellung: Unter der üblich aufreisserischen Überschrift "Wieso auch Biogemüse aus dem Gen-Labor kommt" thematisierte das Schweizer Fernsehen: "Schweizer Konsumenten essen ohne es zu wissen Broccoli und Blumenkohl, denen im Labor fremde Gene implantiert wurden. Das Verfahren gilt als gentechniknah und ist umstritten. Eine Untersuchung von «Kassensturz» zeigt: Das meiste Schweizer Kohlgemüse wird so produziert - selbst Bioprodukte."

 

Zahlen Biolandbau

Auf der von der BLE betreuten deutschsprachigen website suchen pro Monat rund 60000 BesucherInnen nach Informationen. Hier finden sich z.B. aktuelle Zahlen zum Bio-Markt. Auch das BMEL veröffentlicht aktuelle Zahlen, z.B. die "Zahl der Woche": 1060669 ha BioFläche in Deutschland (11.Juli 2014). Jährlich neu veröffentlicht das Team um Dr. Helga Willer vom FiBL aktuelle Zahlen zum internationalen Biolandbau. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht ebenfalls Zahlen, z.B. zum (rückläufigen) Bio Gemüseanbau in Deutschland. Das Schweizer BLW veröffentlich monatliche Marktdaten zum Biolandbau. Und BioMarktInfo bringt regelmässig Berichte.