Zusammenarbeit Tierhaltung und Klimaschutz

Anita Idel, Chiemgauer Fleckvieh enthornt (Christoph Fischer)
Anita Idel, Chiemgauer Fleckvieh enthornt (Christoph Fischer)

 

Anita Idel, Dr. med. vet., seit vielen Jahren engagierte Wissenschaftlerin mit dem Blick über den Tellerrand: sei es ihre gentechnik-kritische Arbeit, für eine artgerechte und ganzheitliche Tierhaltung, Initiantin des Tierärztlichen Forum für verantwortbare Landwirtschaft, im wissenschaftlichen Beirat im WAI (Wissenschaftsforum Aviäre Influenza (Vogelgrippe), als Lead Autorin des ersten Weltagrarberichtes, Dozentin an den Hochschulen in Witzenhausen und Lüneburg, Referentin, Förderin der Zweinnutzungszüchtung (Huhn) und nicht zuletzt als Autorin ihres namhaften Buches "die Kuh ist kein Klimakiller", das im Mai 2016 bereits in der 6. Auflage erschien: bei ihren Vorträgen versteht sie die komplexe Thematik von Boden und Landwirtschaft anschaulich zu vermitteln: "Gras muss gebissen werden". In der Praxis ist sie aktiv, z.B. die Milchviehhaltung auf 100% Grünlandbetrieben mit zu entwickeln. Ihre Workshops auf Höfen mit unterschiedlichen Nutztierarten vermitteln die Fähigkeit Wahrzunehmen: u.a. zum Zusammenhang von Bodenfruchtbarkeit und Grasland-Beweidung, um damit klar zu machen, warum der Mensch noch Nutztiere braucht. Wie schön, dass sie ihre Netzwerke auch in Argentinien (2013 Glyphosat, 2014 Beweidung) und Indien (heilige Kuh) sowie Schweiz und Österreich verstärkt. Auf die geplante Veröffentlichung der internationalen Ausgabe ihres Buches (geplant für Herbst 2019) darf man gespannt sein. Und herzlichen Glückwunsch an Anita: nach dem Schweisfurth Forschungspreis 1993, dem Salus-Medienpreis 2013, erhielt sie 2019 eine dritte öffentliche Anerkennung als Trägerin des 18. Lammsbräu-Nachhaltigkeitspreis:

"Idel setzt sich seit fast 40 Jahren mit großem persönlichem Engagement und fachlicher Expertise für die Ökologisierung d er Landwirtschaft und gesunde Tierzucht ein. Der Lammsbräu-Nachhaltigkeitspreis versteht sich als Auszeichnungen für wegweisende Projekte und Organisationen in den Kategorien Innovation, Unternehmen, Medienschaffende sowie Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs). 

Dr. Anita Idel wurde für ihr herausragendes Engagement zugunsten einer ökologischeren Landwirtschaft ausgezeichnet. Die Tierärztin und Mediatorin hat nach Einschätzung der Jury die wissenschaftlich fundierte Kritik an der Agro-Gentechnik maßgeblich mitgeprägt. Inzwischen erforscht und berät Anita Idel unter dem Leitgedanken "Die Kuh ist kein Klimakiller!", wie ökologische Weidewirtschaft zur Sicherung der Ernährung beiträgt und das Klima entlastet.
Im Rahmen eines Festaktes hat der Bio-Pionier Neumarkter Lammsbräu am Donnerstag die Preisträger seines Nachhaltigkeitspreises 2019 geehrt. Der Preis ist mit insgesamt 10 000 Euro dotiert. Die Jury wählte in einem mehrstufigen Auswahlprozess aus über 100 engagierten Menschen und Organisationen diejenigen Bewerber aus, die sich mit neuen Ideen oder konsequenter Umsetzung von Bewährtem in ganz besonderer Weise um die Erhaltung der Umwelt und um die Bewahrung der Lebensgrundlagen verdient gemacht haben.

Johannes Ehrnsperger, Inhaber der Neumarkter Lammsbräu sagte: "Ob Konsum, Landwirtschaft, Bildung oder Forschung - in allen Lebensbereichen gibt es großartige Projekte, die das Miteinander von Mensch und Umwelt wirklich nachhaltig machen. Mit unserem Nachhaltigkeitspreis zollen wir solchen Initiativen Anerkennung und machen Mut, mit voller Kraft weiterzumachen. Gleichzeitig bieten wir auch eine Plattform, die guten Ideen zu mehr Resonanz verhilft und die Menschen dahinter vernetzt.""

2014 mit Matthias Schwincke für "Springer für Professionals" gibt sie ihre Sichtweise zum Grünlandbericht des BfN: Auf dem Weg zur nachhaltigen Grünlandnutzung. Am 27.11.14 hat Anita bei einer Veranstaltung bei Bern "Macht keinen Hunger !? Fleisch aus Weidehaltung" auch ihre neuesten Ergebnisse aus einer intensiven Forschungsreise im September/Oktober 2014 in Argentinien eingebracht. In der Märzausgabe 2015 der Schweizer "Kultur und Politik" erschien ein tolles Interview mit Wendy Peter: "Vom Sinn, Weidetiere zu halten" (s.u.). Seit 2015 setzt sich Anita verstärkt mit dem Thema Kuh und Veganismus bzw. gemäss ihrem Motto "mit dem Wissen des 21. Jahrhunderts Denken und Handeln in fruchtbaren Landschaften" mit Paleo auseinander. Und im Sommer 2017 gibt es hoffentlich eine Fortführung von Anita`s Veranstaltungen im Rahmen der Plattform Nachhaltiges Lernen zum Thema (Nicht)Wahrnehmung, diesmal dann mit Kindern? Erste Anträge zur Finanzierung dieses spannenden Konzeptes und Gespräche mit neuen PartnerInnen auf den Höfen habe ich auf jeden Fall auf den Weg gebracht. Sicher ist derzeit auf jeden Fall ein Seminar während der bundesweiten Naturschutztage 2017 (am Nachmittag des 6. Januars in Radolfzell) mit ihr: „Denken und Handeln in fruchtbaren Landschaften“, denn Anita hat wesentlich im Sinn, dass in der Landwirtschaft das Konkurrenzdenken alle Ebenen dominiert – und somit auch die Wahrnehmung natürlicher Prozesse. Würden ähnliches Augenmerk und vergleichbare Finanzierung in die Erforschung natürlicher Kooperationsweisen und die Entwicklung entsprechender Produktionsprozesse investiert, die Welt sähe anders aus. Das lässt sich an den Besonderheiten des grössten / erfolgreichsten Bioms auf der Welt – dem Grasland – im Kontext seiner Koevolution mit Weidetieren hervorragend demonstrieren."

Im Zusammenhang mit der Vorstellung einer Studie, die das Aktionsbündnis Artgerecht München bei der Hochschule Augsburg zu den versteckten Kosten der industriellen Massen-Tierhaltung in Auftrag gab, zeigt im September 2016 Anita in einem Interview  prägnant auf, dass es eine Lösung für die komplexe Problematik gibt: "Die Antwort auf alle Probleme ist immer die Gleiche: Wir müssen denken und handeln in fruchtbaren Landschaften und so die Landwirtschaft ökologisieren."

Verleihung Salus-Preis an Anita Idel durch den Stifter Otto Greither (Foto: Christa Thomas)
Verleihung Salus-Preis an Anita Idel durch den Stifter Otto Greither (Foto: Christa Thomas)
Anita im Interview in der Wahlheimat Vogelsbergkreis 2019
Porträt_OZ_190803.pdf
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Gespräch Wendy Peter und Anita Idel, in: Kultur und Politik Ausgabe 1/2015
K+P 1.2015_8-10 Idel_Boden-Kühe.pdf
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Gespräch Wendy Peter und Anita Idel, in Kultur und Politik Ausgabe 3/2015
Weide-Boden_Anita-Idel_Kultur_politik_3_
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Anita Idel auf der PUSCH Tagung 2015 Solothurn