Der Ort, in dem ich lebe

Seit 1994 lebe ich auf der Höri, seit 2011 in Wangen, einem ehemaligem Fischerdorf (und in den 30er Jahren ein Kurort!), das heute neben dem Alltag eines "Grenzgängerdorfes" vor allem durch Tourismus und Obstanbau geprägt ist. Im Sommer gibt es eine Fähre, die in Wangen anlegt und (die Autostrecke 15 km bis nach Radolfzell) gemütlich mehrere Stunden zwischen Schweizer und deutschem Ufer des Untersees hin und her tuckert. Eine Apothekerin bietet ganzjährig ihre engagierte Beratung und im Sommer gibt es in der Dorfmitte ein kleines Hofladencafe mit selbst gebackenem Obst-Kuchen und Espresso. Das Bootsstüble direkt am See bietet nicht nur geführte Kanutouren, sondern auch Kulturveranstaltungen. Durch kleine Veranstaltungen wird die jüdische Geschichte im Dorf in Erinnerung behalten. So jährt sich am 22. Oktober die erste Deportation auch von 7 jüdischen Wangener Menschen in das Sammellager Gurs (Pyrenäen), mit der die schreckliche Politik 1935 einen deutlich sichtbaren Anfang nahm. An die am Morgen des 10.11.1938 von der in Radolfzell kasernierten SS zerstörte Wangener Synagoge erinnert ein Stein und zum jüdischen Friedhof finden im Sommer Führungen statt. Die Geschichte der halbjüdischen Familie Wolf-König wird im April/Mai 2016 durch eine Ausstellung im Gaienhofener Museum einem größeren Publikum engagiert zugänglich gemacht. Ein beeindruckendes Buch wirkt auch über das Ende der Ausstellung hinaus.

Das Hinterhorn in Wangen ist bekannt als erste Fundstätte einer 4000-6000 Jahre alten Pfahlbausiedlung am Bodensee und daher seit 2011 als Weltkulturerbe der Unesco anerkannt. Die aus der Steinzeit stammenden Funde eines Riesensalamanders sind wie Zeugen aus dem Miozän im Fischerhaus zu sehen. Ab Mai 2016 steht ein temporäres Pfahlbauhaus am Ufer, um das Leben der Steinzeitmenschen zu veranschaulichen.