Sigrid Alexander

Mein Lebenslauf - ausführlich

Im Vogelsberg (Oberhessen (DE) bin ich aufgewachsen. Aus der Tradition des konventionellen Zierpflanzenbau und der Floristik kommend, habe ich 1984 ein erstes Lehrjahr auf einem Weideschafbetrieb bei Göttingen abgeschlossen und später dann ein Auslandshalbjahr in Neuseeland und auf den Fidji Inseln verbracht.

 

Nach dem konventionellem Agrarwissenschaften-Vordiplom 1988 an der Universität in Göttingen habe ich noch zu Mauerzeiten in Berlin die ersten Professionalisierungsbestrebungen der Naturkostbranche miterlebt und mich in Fragen vollwertiger Ernährung fortgebildet (Schwerpunkt Anthroposophie bzw. Makrobiotik).

 

Für Versuche, gesunde Ernährung in Kitas, der Krankenpflege und im Catering einzubringen, gab es damals noch viele Spielräume. Auch die Kultur handwerklicher Bio Betriebe im Bremer Land bot mir Chancen, Erzeugung und Verarbeitung, Vermarktung sowie das Catering "Erste Sahne" miteinander zu entwickeln.

Das Angebot, weltweit erstmalig, ein ganzes Hauptdiplom den Fragen des "Ökologischen Landbau" zu widmen, brachte mich zurück ins Hessenland an die Gesamthochschule Kassel- Witzenhausen. Auch hier lag mein Schwerpunkt bei den unterschiedlichen Prozessen ab Feld bis auf den Teller: sei es die Entwicklung der Naturkostbranche im Osten Deutschlands nach dem Mauerfall, der Ausarbeitung von Umstellungskonzepten in Einrichtungen, die mit behinderten Menschen arbeiten, Sensorikansprüchen von Bio Produkten (Prüfung als Prüfperson nach DIN 10691), der gentechnikfreien Herstellung, der Förderung von Fachfrauen in der Landwirtschaft, die Entwicklung eines anderen Wirtschaftsverständnisses (z.B. Mitarbeit an der jährlichen Witzenhausen Konferenz (1993) sowie die Ausbildung von Mitarbeitenden (BAP-Ausbilderprüfung).

Meine Diplomarbeit 1994 setzte diese umfassenden Blickwinkel dann in einer Studie um über "die Meinungsbilder Westberliner NaturkostladnerInnen zur Vermarktung regional erzeugter Öko-Lebensmittel - ein Beispiel für grundsätzliche Tendenzen der Naturkostbranche". Folgerichtig war ich als frischgebackene Ingenieurin dann freiberuflich in der Analyse der Möglichkeiten zur Wiedereinrichtung eines, dann biozertifizierten, großen Ostdeutschen Betriebes engagiert.

 

Dank der Liebe kam ich dann an den Bodensee auf die Höri, wo ich seit über 20 Jahren lebe. Durch die Nähe zur Schweiz konnte ich meinen Berufsweg in der Bio Branche fortsetzen und in Pioniereinrichtungen meine Fähigkeiten einbringen: so habe ich den fantastischen Bio Tofu der kleinen Tofumanufaktur Pfannenstiel einem verwöhnten Gastronomieklientel nahe bringen dürfen. 

 

Beim ersten Schweizer Bio Vollsortimenter Eichberg Bio Gemüse war es dann zwei Jahre meine Aufgabe, angestammte Schweizer Sortimente um interessante Importartikel zu erweitern: so gelang es, die ersten chinesischen Bio Erdnüssli oder (auch sehr mutig) deutsche Bio Käse-Spezialitäten in die stolze Käsenation einzuführen. Aber auch die hofeigene Milch bei einem der besten Glacé-Handwerker Rolf Hunziker (Zürich) zum wohl ersten Schweizer Bio Eis verwandeln, die ersten West-Schweizer Knospe-Kiwis zu Bio Konfi bei einem Industriebetrieb verarbeiten zu lassen und zusammen mit einem Maitre Confiseur die ersten Bio Pralinen der Welt mitzuentwickeln, gaben wertvolle Erfahrungen.

 

Die Einführung der ersten Schweizer Bio Verordnung zu begleiten (und Bio Kontrolle von der anderen Seite des Schreibtisches angesichts der damals noch unbekannten bürokratischen Anforderungen eher bangend zu erleben) hat mich nicht davon abgebracht, dann als enge Mitarbeiterin von Rainer Bächi im Institut für Marktökologie (IMO) 14 Jahre eines der ersten ganzheitlichen Qualitätssicherungskonzepte in einem faszinierenden Team weltweit für die Bio Branche mit zu entwickeln: was wurde (und wird (?) hier an Richtlinien und Konzepten getüftelt und welche noch so diffizilen Probleme mit den KundInnen und MitbewerberInnen sowie Behörden (!) zusammen in die Hand genommen, gelöst und auch gestritten. Bio Kontrolle als fortlaufenden Entwicklungsprozess und Auditierung als Qualitätssicherungsinstrument zu nutzen, war hier möglich. 

So konnte ich in meiner Funktion als Leiterin der Abteilung "Schweiz" sowie "Verarbeitung und Handel" zahlreiche große und kleine Unternehmen in ihren Anfängen bis zu ihren Tiefgängen einer bio-zertifizierten Tätigkeit begleiten. Auch die Ausbildung der KollegInnen, die enge Zusammenarbeit mit Aufsichtsstellen und PartnerInnen sowie die Beratung der Geschäftsleitung in zentralen Dingen gehörten zu meinen Aufgaben.

Als Senior mit Blick für das Ganze und Zusammenhänge bzw. mit einem vorausschauenden Blick ausgestattet, konnte ich auch besonders kniffelige Angelegenheiten im globalen Tätigkeitsbereich von IMO begleiten.

Unzählige Fortbildungen konnte ich während meiner IMO Zeit (diverse Richtlinien der Bio - und nachhaltigen Lebensmittelbranche, Audit Methodik ISO 19011:2002, die berühmten Frankfurter Lehrgänge "das Recht der Bioprodukte" von Hans Peter Schmidt und Manon Haccius) machen. Dies ergänzte ich 2012 in der Teilnahme eines zertifizierten "GRI Sustainability Reporting Process" bei BSD Consulting in Zürich. Zudem nahm ich 2012 dann bei der stw unisono Ulm an einer aufbauenden QM-Serie teil (Refresher 19011:2011, KVP etc.) und bin seit Anfang 2013 geprüfte QM-Beauftragte sowie Interne Qualitätsauditorin. Im Juni 2014 absolvierte ich erfolgreich die SA 8000 Grundausbildung. Die fortlaufende Teilnahme an Kongressen und Seminaren (auch webinaren) halten mich auf dem Laufenden. Zudem zählt die regelmässige Lektüre diverser Informationsschriften zu meinem Tagewerk.

Seit Februar 2013 bin ich selbständig tätig mit meinem Ein-Frau-Unternehmen Beratung Nachhaltige Lebensmittel. Weltweit führende Industrieunternehmen sowie einzelne KMU, Forschungseinrichtungen bzw. deren Tochterunternehmen, Kontrollunternehmen&Labelgeber, Beratungseinrichtungen, Behörden auf Landesebene&Kommunen, Interessensverbände, Vereine und Bildungsträger im In- und Ausland gehören zu meinen AuftraggeberInnen. Seit Mitte 2016 bin ich im Unterauftrag auch für die EU Kommission tätig.